Comparis: Negativzinsen könnten Hypotheken verteuern

Nach dem Taucher unter die «magische Marke» von 1 Prozent steigen die Richtzinsen zehnjähriger Hypotheken wieder leicht an. Ein Faktor, der ebenfalls zu einer Verteuerung der Hypotheken führen könnte, sind die Negativzinsen. Dies schreibt Comparis im Hypobarometer Q4 2019. Der Wirtschaftsmotor werde seit Jahren mit ultratiefen Zinsen am Laufen gehalten. So richtig auf Touren komme er dennoch nicht. Die anhaltende Tiefzinspolitik drückt die Hypothekarzinsen auf Rekordtiefen. Auf dem Zenit der Finanzkrise im September 2008 veranschlagten Kreditinstitute für eine zehnjährige Hypothek mehr als 4 Prozent. Ende Dezember 2019 sind es mit 1,09 Prozent fast viermal weniger.

Allerdings: Negativzinsen könnten künftig den gegenteiligen Effekt auslösen und Hypotheken verteuern, ist Comparis überzeugt. «Je länger die Negativzinsphase dauert, umso grösser werden die Anreize, das Ersparte nicht mehr zur Bank zu tragen oder es abzuheben. Sinken die Spareinlagen, ist weniger Geld für die Refinanzierung von Hypothekargeschäften vorhanden. Passiert das im grossen Stil, kommt es zu einer Verknappung des Angebots. Die logische Antwort auf eine Verknappung sind höhere Preise, also höhere Hypothekarzinsen», heisst es im Bericht weiter.

Im Schlussquartal des Jahres 2019 kletterte der Richtzins für eine zehnjährige Festhypothek auf bis zu 1,10 Prozent. Das sind 11 Basispunkte mehr als im Rekordtief vom August 2019. Am 31. Dezember 2019 lag der Satz mit 1,09 Prozent minimal höher als Ende des dritten Quartals. Zwei- und fünfjährige Hypotheken sind nahezu gleich teuer wie im vergangenen Quartal. Trotz tiefem Zinsniveau sind die Zinsunterschiede im Anbietervergleich teils beträchtlich, wie Comparis aufzeigt. Die Zinsspanne der von Hypothekarinstituten veröffentlichten Zinssätze für eine zehnjährige Festhypothek beträgt 1,40 Prozent im Maximum und 0,82 Prozent im Minimum. Bei einem Hypothekarvolumen von 500’000 Franken beträgt das Sparpotenzial bis zu 2’900 Franken pro Jahr. Beeindruckend ist die anhaltende minimale Zinsdifferenz. Zehnjährige Hypotheken kosten nur 16 Basispunkte mehr als fünfjährige und 22 Basispunkte mehr als zweijährige Hypotheken. «Der Zeitpunkt, sich zu günstigen Zinskonditionen langfristig zu verschulden, ist somit günstig.»

Die Angaben zu den Zinssätzen des Comparis-Hypothekenbarometers basieren auf den Richtzinssätzen von über 50 Kreditinstituten. Sie werden täglich aktualisiert. Die Erfahrung zeige, dass die Zinsen der Hypothekarofferten in den meisten Fällen unter den offiziellen Richtsätzen liegen.