Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) bietet ein Zertifizierungssystem für Neubauprojekte im Ausland an, das jetzt in der überarbeiteten Version 2026 erschienen ist. Die Anwendung des Systems ist insoweit flexibel, als dass sich die Anforderungen den klimatischen, baulichen, gesetzlichen und kulturellen Besonderheiten des jeweiligen Projektstandorts anpassen.

Die Verbreitung des Prinzips der Gebäudezertifizierung hat in den letzten zwei Jahrzehnten rasant zugenommen. In vielen Ländern ist es inzwischen Standard, die Nachhaltigkeitsqualität eines Bauprojekts über ein Zertifikat transparent nachzuweisen. Die DGNB nimmt dabei im Vergleich zu anderen Zertifizierungsanbietern eine aussergewöhnliche Pionierstellung ein. Während andere Bewertungssysteme bei der Anwendung in unterschiedlichen Ländern einheitliche Anforderungen ansetzen, die nicht auf die speziellen regionalen Bedingungen eingehen, verfolgt die DGNB einen differenzierten Ansatz. Dieser berücksichtigt gezielt die lokalen Randbedingungen und nationale Gesetzgebungen. Dabei geht die DGNB mit der neuesten Systemversion noch einen Schritt weiter, indem die relevantesten Benchmarks sowie die Gewichtungen der entsprechenden Indikatoren im Zertifizierungsprozess integral adaptiert werden.

Zudem verfolgt das DGNB System, anders als die übrigen Systeme, bereits seit der ersten Version aus dem Jahr 2009 einen konsequent ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Es verwendet Methoden, die heute politisch gefordert werden, wie etwa die Ökobilanzierung, die Lebenszykluskostenrechnung oder die Messung der Innenraumluftqualität. Auch mit dem performancebasierten Ansatz hebt sich das DGNB System im Grundsatz von anderen international bekannten Systemen ab. Dieser bewertet weniger die Massnahmen, sondern fokussiert deren tatsächliche Wirkung. Auch international findet die Herangehensweise der DGNB eine immer grössere Beachtung. Von den mehr als 15.000 Projekten, die bis Ende 2025 auf Grundlage des DGNB Systems ausgezeichnet wurden, befinden sich rund 20 Prozent im Ausland. Insgesamt verteilen sich die DGNB-zertifizierten Projekte auf 36 Länder.

Überarbeitete Kriterien

Grundlage für die Zertifizierung von Neubau-Projekten ausserhalb von Deutschland ist die internationale Version des DGNB Systems. Die bislang gültige Variante aus dem Jahr 2020 wurde grundlegend weiterentwickelt und mit den Standards der in Deutschland gültigen Version 2023.2 des Zertifizierungssystems abgeglichen. Dabei wurde die Anzahl der Kriterien deutlich reduziert, die Anforderungen einfacher formuliert und alle mit der Zertifizierung verbundenen Tools mit Blick auf die Anwendungsfreundlichkeit optimiert.

Sämtliche Kriterien wurden bei der Überarbeitung mit den wichtigsten internationalen Regelwerken und ISO-Normen harmonisiert. Für die Anwendung im europäischen Ausland sind regulatorische Anforderungen wie die EU-Taxonomie oder die EU-Gebäuderichtlinie EPBD vollumfänglich abgebildet. Regional abweichende Rahmenbedingungen wie klimatische Besonderheiten, die Wasserverfügbarkeit vor Ort sowie spezifische Kostenfaktoren werden in den Kriterien berücksichtigt. Zugleich ist das System so angelegt, dass es als Grundlage für Green Finance dienen kann und Bauherren die wichtigsten Kennzahlen für ihr Reporting direkt extrahieren können.

Themen, die in Zukunft noch viel mehr an Bedeutung gewinnen werden, darunter Biodiversität, Klimaanpassung, Umgang mit Wasser sowie Klima- und Ressourcenschutz, sind im Kriterienkatalog umfassend integriert. Soziale Aspekte und die Vermeidung von Schadstoffen nehmen auch weiterhin eine zentrale Rolle ein. Suffizienz im Sinne von Angemessenheit fungiert als übergreifende Leitlinie. Auch deshalb motiviert die Zertifizierung zum Erhalt von Teilen des Gebäudebestands, indem dies zu einer besseren Bewertung bei den Lebenszyklus- und Zirkularitätskriterien führt.