Für einmal scheint Reden statt Schweigen Gold zu sein

Wohnen ist mehr als vier Wände: Es ist auch Zusammenleben – miteinander, in der Nachbarschaft, im Quartier. Eine repräsentative Studie von ImmoScout24 zeigt, wo und mit wem die grössten Reibungspunkte entstehen und wann es überraschend harmonisch bleibt. Vorneweg: Für einmal scheint Reden statt Schweigen Gold zu sein.
Wie gut wir wohnen, hängt nicht nur von der Wohnung selbst ab – sondern auch davon, wie harmonisch das Zusammenleben funktioniert. Eine repräsentative Studie von ImmoScout24 zeigt klare Muster für Herr und Frau Schweizer auf, wie Martin Waeber, Managing Director Real Estate der SMG Swiss Marketplace Group weiss: “Am ehesten ergeben sich Konflikte im eigenen Haushalt, 30 % der Befragten erleben solche häufig oder eher häufig. Im Vergleich dazu bleibt das Verhältnis zur direkten Nachbarschaft meist konfliktarm”. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 %) gebe an, selten oder nie mit Nachbar:innen aneinander zu geraten, lediglich 15 % würden von (sehr) häufigen Auseinandersetzungen berichten, so Waeber.
Mit Blick auf die persönlichen Merkmale fällt auf, dass weibliche Befragte insgesamt häufiger (20 %) angaben, sich mehrmals pro Woche durch Nachbar:innen gestört zu fühlen, als männliche (11 %). Eine derart unterschiedlich oft empfundene Störung gilt auch für Personen zwischen 18 und 44 Jahren gegenüber älteren Befragten. Insgesamt harmonischer ist die Beziehung zu Vermieterschaft, Hauswartung oder Personen im Quartier. Befragte mit Konflikterfahrung bewegen sich hier im einstelligen Prozentbereich.
Drinnen stört die Unordnung, draussen der Lärm
Diese Ergebnisse zeigen, dass das Zusammenleben rund ums Wohnen für die meisten Menschen in der Schweiz weitgehend ruhig verläuft. Doch gewisse Reibungspunkte gehören weiterhin zum Alltag. Im gemeinsamen Haushalt entstehen die meisten Spannungen eindeutig durch Unordentlichkeit. Mit 47 % ist das mit Abstand der häufigste Auslöser, gefolgt von nicht eingehaltenen Vereinbarungen (26 %) sowie Lärm (23 %) und weiteren Formen der Rücksichtslosigkeit (22 %). Bekannte WG-Klischees, dass gemeinsam genutzte Räumlichkeiten lange besetzt werden oder Lebensmittel ungefragt aus dem Kühlschrank verschwinden, bestätigt sich hingegen kaum: Nur 15 %, respektive 9 % der Befragten erleben diese Probleme tatsächlich.
Bei Streitpunkten mit der direkten Nachbarschaft steht hingegen ein ganz anderes Thema deutlich an der Spitze der Umfrage: Lärm ist mit 45 % der häufigste Auslöser für Konflikte. Dahinter folgen die Nutzung der Waschküche (18 %), Rauchen (17 %) sowie Dreck und Abfall im gemeinsamen Umfeld (16 %). Themen wie Bepflanzung oder Grillieren werden dagegen nur selten als störend empfunden. Diese Reihenfolge gilt jedoch nicht für alle Landesteile. Während das Thema Lärm unangefochten auf Platz 1 rangiert, stört man sich in der Westschweiz mehr an Dreck und Abfall als an der gemeinsamen Waschküchenbenutzung. In ländlichen Gebieten können zudem auch Haustiere (13 %) für Konfliktpotenzial sorgen, während dies für befragte Städter:innen ein sehr seltenes Thema ist (9 %). In Bezug auf die Verwaltung, mit der laut den Befragten am seltensten Konflikte entstehen, betreffen jene vor allem kleine Reparaturen (31 %) oder die Nebenkostenabrechnung (19 %). Ganze 42 % geben hingegen an, dass sie zu keinem der abgefragten Themen jemals Probleme erlebt haben.
Konflikte werden ausdiskutiert
Sollte es doch einmal zu Konflikten und empfundenen Störungen in der Nachbarschaft kommen, so sagen rund drei Viertel (72 %) der Befragten von sich, dass sie die entsprechende Person direkt ansprechen. Schriftliche Kommunikation (17 %) oder die Hinzunahme von Dritten (14 %; bspw. Hausverwaltung oder Vermieter) passiert hingegen deutlich seltener. Genau so selten wird der Konflikt jedoch einfach ignoriert (13 %). “Diese offene Konfliktkultur in Schweizer Nachbarschaften spiegelt sich auch in der sehr seltenen (9 %) Eskalation von Konflikten mittels Anzeige wider”, fasst Waeber die Studienergebnisse abschliessend zusammen: “Die Kommunikation mittels Anwaltsbrief oder gar ein Auszug aus den eigenen vier Wänden haben Seltenheitswert. Spannend ist, dass eine Eskalation bei Befragten im Alter zwischen 45 und 49 Jahren fast doppelt so häufig der Fall ist wie bei Altersklassen darunter oder darüber”.
Studiendesign
Die repräsentative Studie umfasst eine Online-Befragung von in der Schweiz wohnhaften Personen. Dazu wurden 1’264 Personen zwischen 18 und 84 Jahren in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz vom 12. bis 22. August 2025 befragt. Die Gewichtung erfolgte nach Alter, Geschlecht und Sprachregion.
