Oliver Hofmann: «Es braucht die persönliche Bereitschaft zur Veränderung»


Vebego hat sowohl in der Gruppe als auch in der Schweiz über die letzten Jahre eine wechselvolle Entwicklung und Professionalisierung erlebt. «Es gilt nun, diesen Weg konsequent weiter zu gehen, Strukturen und die Organisation zu stabilisieren», sagt Oliver Hofmann, seit Anfang August neuer CEO der Vebego AG. Ausbildung, Qualitätssteigerung und Innovation sollen bereits in den ersten Monaten einen hohen Stellenwert bei ihm geniessen.
Wo sehen Sie derzeit die grössten Herausforderungen im Facility Management und in der Bewirtschaftung?
Oliver Hofmann: In beiden Geschäftsbereichen wird ein grosser Teil der Dienstleistungen durch Menschen ausgeführt. Das Wachstum und die Professionalisierung in diesen Bereichen hat die Nachfrage nach entsprechenden Kompetenzen erhöht. Gekoppelt mit der demografischen Schrumpfung der jüngeren Generationen und trotz stattlicher Immigration fehlen in der Schweiz die Fachkräfte. Die Digitalisierung und KI schreiten zwar unaufhörlich voran, können aber diese Bedarfslücke noch nicht schliessen. Das zunehmende Bedürfnis unserer Gesellschaft nach flexiblerer und Teilzeitarbeit verkompliziert diesen Umstand. Weitere Herausforderungen sind zunehmende Regulierungen der Bau-, Immobilienbranche und der Arbeitsgesetze. Die Technologisierung der Gebäude (Smart Buildings), deren Verständnis, stets rasche Implementierung oder Umrüstung fordern Produzenten, Lieferanten und Eigentümer gleichzeitig. De-Globalisierung, höhere Energiepreise, eine stark auf Kredit aufgebaute und im Wachstum abflachende Wirtschaft führen zu Kostendruck seitens der Auftraggeber. Diese sind alsdann teilweise gezwungen, diesen Kostendruck der FM- oder PM-Branche zu überbürden. Darunter leidet die Profitabilität, teilweise die Qualität und es gilt genau zu prüfen, welche Mandate man annehmen kann.
Werden in Zukunft neue Modelle nötig sein?
Die Modelle entwickeln sich zwar stetig, jedoch nur in kleinem Ausmass. Die PM-Branche stützt sich weiterhin stark auf ein Honorarmodell mit Prozent-Satz, basierend auf Mietzinsen oder Vermarktungserfolgen ab. In der FM-Branche sind an konkrete Einzelleistungen gekoppelte Stunden- oder Tagessätze verbreitet. Incentives oder auch Pönalen gibt es, sind aber klein und eher rar. Das Anforderungsprofil hat sich arbeitsteilig über die Jahre aufgesplittet, wobei bei einer Vergabe an grosse FM- oder PM-Players oft alles oder ein Grossteil der Tätigkeiten in einem Voll- oder integralen Mandat vergeben werden. Split- oder regionale Mandate sind spezifische Kundenwünsche und kommen ebenfalls vor. Sowohl bei Verbänden, Lieferanten und Auftraggebern scheint es mir wenig Bemühungen für substantielle Änderungen der Geschäfts- und Vertragsmodelle zu geben. Druck von Aussen – zum Besipiel aus dem Ausland – gibt es im eher geschützten Schweizer Markt kaum. Ich sehe daher unmittelbar keine grossen Änderungen.
Wie stark kann KI hier schon unterstützen?
KI und dessen Einsatz steckt noch in den Kinderschuhen. Anbieter sind aktuell vor allem amerikanische und chinesische Unternehmen. Bei der Anwendung ihrer KI-Software in der Schweiz sind noch viele Fragen offen, angefangen bei der Datenhaltung, dem Datenschutz und der Zuverlässigkeit ihrer Resultate. KI wird aber in gewissen Gebieten angewandt und ist auf dem Vormarsch. Ob es seine Versprechen halten kann, werden wir sehen. Die Technologie, Potentiale aber auch Gefahren um Deep-Fake sind auf jeden Fall ernst zu nehmen. Bisher habe ich vor allem KI-Anwendungen intern in Firmen gesehen und erste Piloten mit Kunden unternommen. KI wird aktuell zur Analyse, Koordination, Kommunikation und administrativ eingesetzt. Ob ihr Einsatz irgendwann die Leistungen, deren Erbringung und das Honorarmodell im FM- und PM-Sektor ändert, wird sich zeigen. Die Vermutung ist gross.
Wie möchten Sie die Themen „Innovation“ und „Digitale Transformation“ für die Vebego AG und deren Kunden mit Leben füllen?
Vebego testet bereits mit diversen Piloten neue Technologien und Geräte wie zum Beispiel «soobr», eine digitale Einsatzplanung und -dokumentierung. Ebenso gibt es ein Innovationsportfolio, das entweder intern oder mit Kunden entwickelt wird. Intern sind ebenfalls bereits verschiedene digitale Tools im Einsatz, einige Beispiele dazu sind Planon, Zeiterfassungs-, Workflow-Softwares oder Power-BI-Dashboards. Wir werden das aber sicherlich noch vertiefen, konkretere Strukturen, interne Projekte und Co-Creation mit Kunden einführen.
Wenn Sie auf die nächsten Monate blicken: Mit welchen Sofortmassnahmen möchten Sie Veränderung anschieben?
Vebego hat sowohl in der Gruppe als auch in der Schweiz über die letzten Jahre eine wechselvolle Entwicklung und Professionalisierung erlebt. Es gilt nun, diesen Weg konsequent weiter zu gehen, Strukturen und die Organisation zu stabilisieren. Ich werde sicherlich schnellstmöglich verschiedene Kunden und Standorte, Mitarbeitende und Partner besuchen. Ich möchte verstehen, wie gearbeitet wird und wie die Leistungen bei Kunden ankommen. Nach einem Blick in die Trends und den Wettbewerb werde ich mögliche strategische Opportunitäten und darauf ausgelegte Ziele dem Verwaltungsrat vorschlagen. Unmittelbar möchte ich intern wie auch extern proaktiver Kommunizieren, unsere Firma und Dienstleistungen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Ausbildung, Qualitätssteigerung und Innovation werden sicherlich bereits in den ersten Monaten einen hohen Stellenwert bei mir geniessen.
Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie – und wie sehen Sie Vebego als Treiber von Green Facility Services?
Unsere Mitarbeitenden sind täglich in, an und rund um die Gebäude im Einsatz – als Sicherheitsspezialisten, Techniker, Hauswarte oder Reinigungskräfte. Niemand kennt die Liegenschaften besser als wir. Deshalb erkennen wir frühzeitig Schwachstellen und Chancen für einen nachhaltigen Betrieb. Bereits in der Planungsphase kann Vebego durch baubegleitendes Facility Management und Lifecycle-Beratung Mehrwert schaffen. Im laufenden Betrieb leisten wir Beiträge zur Nachhaltigkeit – etwa durch umweltfreundliche Reinigungsmittel, das Erfassen von Ressourcen wie Wasser, Abfall und Energie oder mit Fokus auf das Mieterwohl, zum Beispiel durch Hauswarte als direkte Ansprechpersonen oder die Organisation von Mieter-Communities. Im Zentrum steht bei uns der Mensch: Wir bieten sinnvolle, fair entlöhnte Arbeit, bilden unsere Mitarbeitenden aus und begleiten sie – in guten wie in schwierigen Zeiten. Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und die Zusammenarbeit mit Sozialpartnern über unsere eigene Stiftung sind zentrale Anliegen. Ein grosser Teil unserer Fahrzeugflotte ist elektrisch unterwegs. Persönlich nutze ich, wo immer möglich, den öffentlichen Verkehr für Kunden- und Betriebsbesuche. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit mehr als nur „green“ – sie ist vielfältig und umfasst das verantwortungsvolle Handeln gegenüber allen Stakeholdern.
Welche Erfahrungen aus Ihrer Zeit bei Wincasa helfen Ihnen, die Unternehmenskultur der Vebego weiterzuentwickeln?
Wincasa ist ein kaufmännischer Gebäudemanager, dezentral über die Schweiz organisiert mit primär institutionellen und Firmenkunden, der Services mit über tausend Spezialisten und Sublieferanten, unter anderem im FM-Bereich, erbringt. Vor diesem Hintergrund gibt es viele Gemeinsamkeiten mit einem Facility Service Provider wie Vebego in der Aufbau-, Ablauf- und Standortorganisation sowie beim Kundenportfolio. Bei Wincasa haben wir den Kunden ins Zentrum unseres Fokus und Bemühungen gestellt, die technologische Transformation und die Weiterentwicklung der Mitarbeitenden sowie einen kontinuierlichen Optimierungsprozess gefördert. Dies und vieles mehr bedingt ein sehr aktives Leadership: das permanente Fordern von Exzellenz durch Prozess- und Verhaltensoptimierung, überwachtes Projektmanagement, engmaschiges – teils tägliches – Kundenfeedback, messbare Ziele sowie eine wertschätzende Feedback-Kultur. Diese Erfahrungen sowie das Etablieren eines gemeinsamen Unternehmens-Spirits möchte ich gerne bei Vebego einbringen und sehe bereits heute in der Firma viele gute Ansätze oder Ausprägungen dazu.
Wie schaffen Sie es, bestehende Mitarbeitende und neue Talente für den Wandel zu begeistern?
Oberstes Ziel ist es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Wandel heute eine konstante Grösse ist – und schneller voranschreitet als je zuvor. Neben geopolitischen Machtverschiebungen, die Rohstoffströme und -preise beeinflussen (und damit alle Produktionsprozesse weltweit), erleben wir derzeit ein beispielloses Investitionsvolumen in Technologien wie Bio-, Gen-, Chemie-, Informations- und Kommunikationstechnologie. Dies führt zu laufenden, teils täglichen Veränderungen in nahezu allen Wirtschaftssektoren – auch im Dienstleistungsbereich. Wer sich nicht kontinuierlich weiterentwickelt, läuft Gefahr, mit bestehenden Fähigkeiten nicht mehr gefragt zu sein – ob als Unternehmen oder als Mitarbeitende. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage. Darauf aufbauend braucht es die persönliche Bereitschaft zur Veränderung sowie gezielte Unterstützung bei der Umsetzung. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Front-, Backoffice- und HR-Bereichen notwendig, ergänzt durch externe Transformationsspezialisten. Sind erste Veränderungen erfolgreich umgesetzt, entstehen Stolz und Zufriedenheit – der Antrieb für weitere Entwicklungsschritte.
Welche Vision haben Sie für die Vebego im Jahr 2030?
Im 2030 ist Vebego in der Schweiz erstklassiger Facility Service Player, an den unsere bestehenden oder neue Kunden sofort denken, wenn sie bei ihren Liegenschaften einzelne oder integrale FM-Dienstleistungen oder Beratung benötigen. Auf dem Arbeitsmarkt sucht man Vebego als fairen, unternehmerischen Arbeitgeber, der sinnvolle Arbeit und persönliche Weiterentwicklung ermöglicht. Wenn ich an Vebego denke oder zum Beispiel ein Vebego-Auto im Verkehr sehe, dann kommt der Reflex: «coole Firma»!
