Die Nationalbank senkt den SNB-Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0%. Der neue Leitzins gilt ab dem 20. Juni 2025. Sichtguthaben der Banken bei der SNB werden bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins verzinst. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb dieser Limite beträgt unverändert 0,25 Prozentpunkte. Bei Bedarf sei die Nationalbank weiterhin bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein, schreibt sie in einer Mitteilung. Der Inflationsdruck ist gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen. Mit der neuerlichen Lockerung der Geldpolitik wirkt die Nationalbank dem tieferen Inflationsdruck entgegen. Sie will die Lage weiter genau beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig im Bereich der Preisstabilität bleibt. Die Inflation ging seit der letzten Lagebeurteilung weiter zurück. Sie sank von 0,3% im Februar auf −0,1% im Mai. Dieser Rückgang war hauptsächlich auf die Preisentwicklung im Tourismus und bei den Erdölprodukten zurückzuführen. Die neue bedingte Inflationsprognose ist in der kurzen Frist im Vergleich zum März tiefer. Mittelfristig ist sie gegenüber der Prognose vom März kaum verändert. Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität (vgl. Grafik). Sie liegt im Jahresdurchschnitt bei 0,2% für 2025, 0,5% für 2026 und 0,7% für 2027. Die Prognose beruht auf der Annahme, dass der SNB-Leitzins über den gesamten Prognosezeitraum 0% beträgt. Ohne die heutige Zinssenkung läge die Prognose tiefer. Die Wirtschaftsaussichten für die Schweiz bleiben unsicher. Entwicklungen im Ausland stellen laut SNB weiterhin das Hauptrisiko dar.

Reaktionen auf den Zinsentscheid:

UBS:

An der geldpolitischen Lagebeurteilung vom Juni hat die SNB ihren Leitzins von 0,25 auf 0 Prozent gesenkt. Sie begründete diesen Zinsschritt damit, dass der Inflationsdruck seit der letzten Zinssenkung im März zurückgegangen ist. Wir erwarten, dass der Leitzins über die nächsten zwölf Monate bei 0 Prozent bleibt. Konjunkturelle Abwärtsrisiken könnten die SNB aber zu weiteren geldpolitischen Massnahmen zwingen. Negative Leitzinsen werden wahrscheinlicher, wenn sich die globalen Handelsspannungen verschärfen und der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zunimmt.

Raiffeisen Schweiz

Warum hat die SNB ihren Leitzins nochmals gesenkt?

Der Leitzins war zwar bereits tief. Aber auch die Schweizer Inflation befindet sich wieder auf einem sehr tiefen Niveau. Die Preise haben sich zuletzt abermals schwächer entwickelt als von der Nationalbank erwartet. Da sich zudem die Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft, aufgrund der aggressiven US-Handelspolitik und des stärkeren Frankens, erhöht haben, sah das SNB-Direktorium weiteren Handlungsbedarf. Die Geldpolitik wurde erneut gelockert, um die Inflation mittelfristig im SNB-Zielband von null bis zwei Prozent zu halten.

Kehren schliesslich die Negativzinsen zurück?

Die SNB hat mit ihrer präventiven Politik vorgelegt und den Leitzins schnell auf null herabgenommen. Die Hürde zur Wiedereinführung der Negativzinspolitik dürfte zwar etwas höher liegen, denn auch die SNB mag grundsätzlich keine Negativzinsen. Die Direktoriumsmitglieder zeigen sich aber generell bereit, bei Bedarf erneut auf das Instrument zurückzugreifen. Wenn sich die negativen Konjunktureffekte der US-Strafzölle im Rahmen halten, und der Franken vor allem gegenüber dem Euro wie zuletzt stabil bleibt, sollten die Abwärtsrisiken für den Preisausblick jedoch auch ohne Negativzinsen abnehmen. Deshalb sehen wir nicht zwangsläufig eine Rückkehr der Negativzinsen. Eine erneute Eskalation der Zollstreitigkeiten könnte jedoch, zusammen mit einer steigenden Frankennachfrage, den Handlungsdruck auf die Nationalbank nochmals erhöhen. Negativzinsen sind im labilen Umfeld also keineswegs auszuschliessen.

Was bedeutet der Zinsentscheid für die Hypothekarzinsen?

Mit der jüngsten Leitzinssenkung sinkt entsprechend auch der darüber gesteuerte Tagesgeldsatz SARON. Damit werden SARON-Hypotheken nochmals günstiger als die meisten Festhypotheken. Da an den Zinsmärkten auf Jahressicht seit einiger Zeit leicht negative Zinsen vorweggenommen werden, haben sich die Finanzierungskonditionen für längerfristige Festhypotheken bereits vor dem Zinsentscheid auf tieferen Niveaus bewegt. Damit dürfte es, sogar bei einem leicht negativen Leitzins, am langen Ende nicht mehr viel Abwärtspotenzial geben. Und sollte die SNB ihren Lockerungszyklus beim aktuellen Niveau beenden, könnten die Festhypotheken im späteren Jahresverlauf sogar wieder etwas mehr kosten.

Welchen Einfluss hat die Senkung auf den Wohnimmobilienmarkt?

Bereits vor der jüngsten Senkung hat das tiefere Zinsniveau die Finanzierungsbedingungen für Wohneigentum wieder wesentlicher attraktiver gemacht. Die Zuversicht auf der Käuferseite dürfte mit den Nullzinsen nochmals zunehmen und die Nachfrage nach Wohnimmobilien beleben. Da auf der Angebotsseite unverändert Knappheit herrscht, sollte das Immobilienpreiswachstum dabei wieder mehr Fahrt aufnehmen.

Welche Zinsbindung bietet sich bei der Verlängerung oder Neuaufnahme einer Hypothek an?

Der Zinsvorteil von Festhypotheken gegenüber SARON-Finanzierungen hat sich mit den letzten SNB-Senkungen wieder umgekehrt. Längerfristige Festhypotheken machen aber weiterhin Sinn, wenn man von einer fortlaufenden Konjunkturerholung und keinem zusätzlichen Zinssenkungsbedarf der Nationalbank und der anderen grossen Notenbanken ausgeht. Vor allem wenn man eine fixe Kalkulationsgrundlage bevorzugt, bietet sich eine mehrjährige Festhypothek an. Kürzere Laufzeiten sind hingegen vorteilhafter, wenn man von einer anhaltenden oder nochmals ausgeprägteren Konjunkturschwäche ausgeht, einhergehend mit nochmals tieferen Zinsen. Grundsätzlich sehen wir derzeit die Finanzierungskosten über die Laufzeiten hinweg allerdings nicht stark voneinander abweichen.

Moneypark

Die grosse Mehrheit der befragten Hypothekaranbieter hat die sechste Leitzinssenkung in Folge erwartet. Nicht ganz einig war man sich über die Höhe des Zinsschrittes: Ein kleiner Zinsschritt von 25 bps auf einen Leitzins von 0% erfuhr deutlich mehr Zustimmung als ein grosser von 50 bps und damit eine Rückkehr zu negativen Leitzinsen. Eine knappe Mehrheit der Befragten rechnet nach wie vor nicht mit Negativzinsen im laufenden Jahr, sieht aber insbesondere bei den kurzen und mittleren Hypothekarlaufzeiten noch weiteres Senkungspotenzial bis Ende Jahr.