Eine Umfrage unter 1000 Privatpersonen zeigt, dass es derzeit eine knappe Mehrheit für eine Abschaffung des Eigenmietwerts gibt, wie MoneyPart und Helvetia in einer Umfrage herausfanden. Über 70% Prozent der befragten Eigentümerinnen und Eigentümer ziehen zumindest eine teilweise Rückzahlung ihrer Hypothek in Betracht, während bei rund einem Drittel die Überlegungen bereits weiter fortgeschritten sind. Dies hätte grosse Auswirkungen auf den Schweizer Hypothekarmarkt, der in den nächsten fünf Jahren rund CHF 50 bis 150 Mia. an Volumen einbüssen könnte.

MoneyPark und Helvetia haben in einer repräsentativen Umfrage Anfang Februar 1000 Privatpersonen im Alter ab 25 Jahren in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz zur Abschaffung des Eigenmietwerts befragt. 52% der Befragten gaben an, einer Abschaffung des Eigenmietwerts mit gleichzeitiger Streichung von Steuerabzügen für Unterhaltskosten und Schuldzinsen eher (27%) oder voll und ganz (25%) zuzustimmen. Überdurchschnittliche Zustimmungsraten finden sich bei der Eigentümerschaft (63%) sowie in der Deutschschweiz (55%). Die Zustimmung nimmt mit steigendem Alter zu. So geben 57% der befragten Personen über 65 Jahre an, eher (26%) oder voll und ganz (31%) für eine Abschaffung zu sein, während es bei der Gruppe der 25-30-jährigen 47% sind und nur halb so viele (16%) voll und ganz dafür sind. Auffallend hohe 22% haben die Frage nicht beantworten können, bei Frauen liegt der Anteil gar bei 30%.

Ein Blick zurück verrät, dass die Zustimmung seit 2021 um rund zehn Prozentpunkte nachgelassen hat. Damals hatte sogar eine knappe Mehrheit der Mieterinnen und Mieter zur Abschaffung tendiert. Allerdings stand damals der Vorschlag im Raum, den Eigenmietwert abzuschaffen und die Abzüge für Unterhalt und Schuldzinsen beizubehalten. «Die aktuellen Resultate kommen nicht ganz überraschend. Es sind die Rentnerinnen und Rentner, welche am stärksten von der vorliegenden Abschaffungsvariante profitieren», so Lukas Vogt, CEO von MoneyPark. «Die frühere Variante war für alle Eigentümerinnen und Eigentümer finanziell vorteilhaft, hätte aber noch höhere Steuerausfälle zur Folge gehabt.»

Hohe Amortisationen

Über 70 Prozent der Befragten können sich zumindest eine teilweise Rückzahlung vorstellen. Rund ein Drittel der befragen Eigentümerinnen und Eigentümer sind in ihren Überlegungen schon weiter und ziehen im Falle einer Abschaffung des Eigenmietwerts konkret in Betracht, die Hypothek vollständig (10%) oder teilweise (24%) zu amortisieren, was beträchtliche Konsequenzen für den Hypothekarmarkt zur Folge hätte. Weitere 38% haben sich noch nicht entschieden und nur 16% schliessen eine Amortisation aus. Ein Blick auf über 13’000 Finanzierungen aus den Jahren 2019 bis 2024 zeigt, dass sich nur knapp 10% der Hypothekarnehmenden eine vollständige Amortisation aus liquiden Mitteln (insb. Kontoguthaben und Wertschriften) leisten könnten. Das durchschnittliche liquide Vermögen (Median) beträgt rund 15% des Hypothekarvolumens. Zusätzlich wären Hypothekarnehmende auf Basis der durchschnittlichen schweizerischen Sparquote von rund 15% des Bruttoeinkommens theoretisch in der Lage, jährlich bis zu 4% der ausstehenden Hypothek zu amortisieren. „Die Rückzahlungskapazität der Hypothekarnehmenden ist substanziell, die effektiven Rückzahlungen dürften bei den aktuell niedrigen Zinsen allerdings tiefer liegen“, so Lukas Vogt. Insbesondere die Gruppe der aktuellen (66 Jahre und älter) und baldigen Rentner (61 – 65 Jahre) als grösste Profiteure einer Abschaffung des Eigenmietwerts könnten mit den vorhandenen liquiden Vermögen ihr ausstehendes Hypothekarvolumen halbieren.

Hypothekarweltmeister

Aufgrund der vorliegenden Daten geht MoneyPark davon aus, dass innert fünf Jahren nach Abschaffung des Eigenmietwerts Gelder in der Grössenordnung von 50 bis 150 Mia. zurückfliessen dürften. Das obere Ende dieser Spannbreite würde bedeuten, dass der Schweizer Hypothekarmarkt, welcher in den letzten zehn Jahren um durchschnittlich rund CHF 30 Mia. pro Jahr von rund CHF 900 Mrd. auf mittlerweile über CHF 1’200 Mrd. angestiegen ist, nicht mehr weiterwachsen würde. Denn mit der Abschaffung des Eigenmietwerts dürfte ziemlich genau diese Summe pro Jahr zurückfliessen. «Der Eigenmietwert trägt wesentlich zur hohen Hypothekarverschuldung in der Schweiz bei und bewirkt, dass wir trotz tiefer Eigentumsquote von 36% zum Hypothekarweltmeister geworden sind», so Lukas Vogt.