Das Facility Management spielt eine wichtige Rolle bei der Senkung der globalen CO2-Emissionen, sagt Giuseppe Santagada, CEO von Vebego. Die Herausforderungen auf das FM sind gross, doch ohne vermehrte Anstrengungen im Nachhaltigkeitsbereich werden die Ziele nicht erreicht werden können. 

Die Pandemie hat die Anforderungen an das Facility Management erhöht. Wie wirkt sich das auf Ihr Tagesgeschäft aus?

Giuseppe Santagada: Während kurzfristige Anpassungen und eine gewisse Flexibilisierung der SLA erwartet werden, bleiben die Personaldisposition und der Bedarf an erhöhten Schutzmassnahmen in vielen Bereichen eine Herausforderung. Des Weiteren ist eine intensivierte Kommunikation mit den Mitarbeitern sowie zusätzlichen Schulungsbedarf vor Ort wichtig. Selbstverständlich sehen wir auch Chancen, um unsere Kunden in dieser Zeit bestmöglich mit Lösungskonzepten insbesondere zum Thema Workplace zu unterstützen, mit dem Ziel deren Mitarbeiter in einem sicheren Umfeld wieder in die Büros zurückzubringen.

Werden dadurch die Bestrebungen von Vebego, bis 2030 CO2-neutral zu werden, beeinträchtigt?

Nein, im Gegenteil. Wir erkennen bereits heute, wie sich der Prozess durch die Pandemie beschleunigt hat. Gründe hierfür sind zum Beispiel, dass Mitarbeiter vermehrt das Home-Office nutzen, Meetings vermehrt via Teams abgehalten werden und dadurch grundsätzlich substantiell weniger gereist wird.

Der Nachhaltigkeitsbericht informiert jährlich darüber, wie Vebego die Verant­wortung gegenüber Mensch und Umwelt wahrnehmen und wie sich das Unternehmen mit Blick auf die gesetzten Ziele entwickelt. Welche Ziele haben Sie bereits erreicht?

Bei unseren Nachhaltigkeitszielen orientieren wir uns an den Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen und konzentrieren uns auf drei Zielbereiche: Gesundheit und Wohlbefinden, gute Arbeitsplätze und wirtschaftliches Wachstum sowie Massnahmen zum Klimaschutz. Seit einigen Jahren ist unser Unternehmen Mitglied der Trägerschaft Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz Reinigung. Wir sind stolz darauf, dass wir auch im 2020 keine schwerwiegenden Arbeitsunfälle zu berichten hatten. Unsere Bemühungen für gute Arbeitsplätze werden auch von den Mitarbeitenden wahrgenommen, was sich daran zeigt, dass wir im 2020 die Auszeichnung “Great Place to Work” entgegennehmen durften. Im Bereich des Klimaschutzes ist es uns gelungen, den Treibstoffverbrauch unserer Flotte seit 2012 kontinuierlich zu senken und wir haben ein Programm zur Elektrifizierung unseres Fahrzeugparks lanciert.

Der Ressourcenverbrauch muss reduziert werden. Wie stark setzen Sie auf die Kreislaufwirtschaft?

Wir sehen die Kreislaufwirtschaft als ein Element, welches einen erheblichen Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs leisten kann. Wir berücksichtigen beim strategischen  Einkauf die Möglichkeiten, welche der Markt bereits heute bietet. So ist zum Beispiel das Mobiliar in unserem Hauptsitz grösstenteils wiederaufbereitetes Mobiliar unserer Kunden. Wir versuchen zudem den Markt aktiv zu entwickeln und haben hierzu mit unserem Start-up “yourOffice” ein Initiative gestartet, um mit weiteren Partnern die Möglichkeiten neuer Marktmodelle auszuprobieren.

Der Immobilienwirtschaft kommt eine Schlüsselrolle bei der Senkung der globalen CO2-Emissionen zu. Was kann das Facility Management tun?

Das Facility Management spielt tatsächliche eine wichtige Rolle bei diesem Thema. Bei bereits bestehenden Gebäuden versuchen wir stets den Energieverbrauch zu vermindern. Dies kann durch Sanierungen erfolgen, alte Leitungen durch zum Beispiel Wärmepumpen ersetzen oder auch durch Verbrauchsanalysen und Benchmarkings. Wir versuchen uns bereits so früh wie möglich einzubringen, bestenfalls schon in der Planungs- oder Bauphase eines Gebäudes.

Muss sich die Einsicht, dass sich Nachhaltigkeit auszahlt, erst entwickeln?

Das Thema Nachhaltigkeit wird häufig unterschiedlich interpretiert. Für uns stehen in Bezug auf die Nachhaltigkeit nicht monetäre Zielsetzung im Vordergrund. Vielmehr ist es uns wichtig, effektiven Impact auf die Gesellschaft zu realisieren. Dies erreichen wir, in dem wir unseren Mitarbeitern bedeutungsvolle Arbeitsplätze bieten und in Bezug auf die uns zu Verfügung stehenden Ressourcen möglichst schonend umgehen.

Anreizsysteme sind bisher fast alle gescheitert oder erzeugen nicht die entsprechende Wirkung. Braucht es nun also verbindliche Vorschriften?

Nachhaltigkeit ist grundsätzlich ein Mindset- und Kulturthema, welches in der Gesellschaft verankert werden muss. Dies geht nicht von heute auf morgen. Mit Vorschriften kann der Prozess beschleunigt werden, entscheidend bleibt jedoch, dass sich eine persönliche Überzeugung entwickelt und praxistaugliche Lösungen geschaffen werden.

Das Facility Management hat sich aus dem Reinigungsbereich zu einer Disziplin entwickelt, die nicht mehr ohne Digitalisierung auskommt. Wie können Sie diese Herausforderungen meistern?

Seit mehreren Jahren ist Digitalisierung in aller Munde. Obwohl jeder darüber spricht, ist auch hier die Definition oder auch das Verständnis für jeden etwas unterschiedlich. Unter Digitalisierung verstehen wir die Standardisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse, welche einen direkten Nutzen der involvierten Personen bringen soll. So steht im Vordergrund, dass wir unsere Mitarbeiter durch automatisierte Prozesse von administrativen Arbeiten entlasten, sodass sie sich noch stärker auf unsere Kunden fokussieren können.

Die Facility-Management-Branche ist einem ständigen Wandel unterworfen. Vebego hat den Anspruch, den Markt mitzugestalten und sich aktiv in der Branche einzubringen. Wie stark arbeiten Sie mit Hochschulen, Verbänden und Beratern zusammen, um den Markt voranzubringen?

Vebego hat nicht nur den Anspruch den Markt mitzugestalten, sondern auch in gewissen Segmenten ein mentaler Marktleader zu sein. Aus diesem Grund arbeiten wir international wie auch national mit verschiedenen Hochschulen zusammen. Dies nicht nur im Zusammenhang mit fachlichen Themen, sondern mit dem Ziel in Sachen Leadership-Entwicklung weiterzukommen. Auch in den Branchenverbänden sind wir national wie international vertreten und versuchen dort die Attraktivität unserer Branche aktiv zu fördern.

Interview: Remi Buchschacher

Giuseppe Santagada ist COO von Vebego Deutschland und Schweiz sowie Mitglied der Konzernleitung Vebego International mit über 36.000 Mitarbeitenden. Er trägt die Verantwortung für die Gesellschaften sämtlicher Unternehmen in der Schweiz und in Deutschland. Zusammen mit Mark van Haasteren (COO Belgien und Niederlande) ist er dafür zuständig, dass das operative Geschäft vorangetrieben und optimiert wird.